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Neues und Nachrichten

22. Mai Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden Das Schweigen brechen - Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden startet "Friedensgespräche"

19. Mai Netzwerk Erinnerung und Zukunft in der Region Hannover e.V. Die Verleugneten - Ausstellung über vermeintlich Asoziale und Berufsverbrecher im Nationalsozialismus

14. Mai proPeace Ein gefährliches Signal

12. Mai Ev. Friedensarbeit im Raum der EKD Zentraler Gottesdienst zur Ökumenischen Friedensdekade am Chiemsee

6. Mai Ernst Barlach Museum Ratzeburg Ernst Barlach - Käthe Kollwitz: Was ist denn Vaterland?

 

 

Unser aktueller Flyer

Aktuell

Ernst Barlach - Käthe Kollwitz: Was ist denn Vaterland?


Ausstellung im Ernst Barlach Museum Ratzeburg 1. Mai bis 1. November 2026
 
Was ist denn Vaterland? Es ist doch nichts als der Fleck Land, auf dem man geboren ist, wo man aufgewachsen ist zwischen Vater und Mutter, wo man in die Sprache und Landschaft hereingewachsen ist. Des Menschen Vaterland - auch des von Deutschen abstammenden - kann überall in der Welt sein.
Der Begriff von Ehre ist da noch gar nicht vorhanden, nur von Heimat. Ein Gefühl von Wärme und Liebe ist um das herum was man Heimat nennt.
 
Käthe Kollwitz, Tagebuch 1943
 

Im Dialog der Werke von Barlach und Kollwitz geht es um sehr aktuelle Fragen, die sie sich schon vor mehr als 100 Jahren gestellt haben: Wie kommen wir zu einer gerechten Gesellschaft? Wie übernehmen wir Verantwortung füreinander? Wie schützen wir diese Erde? Und wie vermeiden wir die Kriege, die immer wieder im Namen von Identität und Besitz geführt werden?
Beide sahen die Aufgabe ihrer Kunst darin, diese Welt aus einem tiefen humanistischen Verständnis heraus verändern zu wollen. Käthe Kollwitz schuf eine Fülle sozialkritischer Werke. Ihr Augenmerk galt den ärmsten Menschen. Sie zeichnete sehr persönliche und individuelle Porträts. Ungewöhnlich für die damalige Zeit sind darunter viele Darstellungen von Frauen, Müttern und Kindern. Ernst Barlach hingegen kann als Mystiker der Moderne beschrieben werden. Seine Menschenbilder tragen wenige individuelle Merkmale. Sie verkörpern universelle Zustände des Lebens, suchen den philosophischen Diskurs über die Welt, wie sie war, wie sie ist und wie sie werden kann.
Beiden künstlerischen Positionen ist die Wahrnehmung des Unerträglichen gemeinsam, die Empörung über unsere Handlungen und unsere Lebensweise als Menschen. Ihre Kunstwerke stammen aus jener Zeit, in der die Konzepte für Fortschritt und Wachstum entstanden sind, mit denen wir uns bis heute auseinandersetzen. Für uns hat ihre Kunst eine neue Relevanz: Menschlichkeit, sozialer Zusammenhalt, gerechte Teilhabe und die Regeneration unserer natürlichen Lebensgrundlagen werden definitiv entscheiden. In dieser Ausstellung greifen Vergangenheit und Zukunft ineinander als Erfahrung, die nachwirkt, und als Möglichkeit, die neu gedacht werden kann.
Bedeutet das Wort Vaterland Sicherheit und Zukunft? Sollten wir nicht beginnen, von Mutterland zu sprechen, einem Ort der Fürsorge, der Verantwortung und der Nachhaltigkeit?

Die Ausstellung ist Teil der Konzeption Museum multimedial.
Sie wird begleitet von zahlreichen interaktiven Angeboten, Kontextfilmen und einer umfangreichen digitalen Timeline, die einladen, politische, kulturelle, werk- und lebensgeschichtliche Ereignisse zu erforschen.

Für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren bieten wir ein digitales Gaming Programm an. Für Schulklassen können Jahrgangs und Fächer spezifische Führungen und Workshops gebucht werden.
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen, 11 bis 18 Uhr

Eintrittspreise: 10 Euro p. P.
ermäßigt für Schüler, Studenten und Gruppen ab 10 Personen 8 Euro p. P.
Angemeldete Schulklassen 3 Euro p. P.
Führungen für Gruppen und Workshops für Schulklassen sind außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Gebühr pro Gruppe 120 Euro zzgl. zum Eintrittspreis.

Telefonische Anmeldung: 04103.918291 
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Ernst Barlach Museum
Barlachstraße 3, 23909 Ratzeburg
www.ernst-barlach.de

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Das Geschichtsfeld

       
 

Das Schlachtgemälde in der St. Martinskirche

Am 9. Juli 1553 ereignete sich zwischen Sievershausen und Arpke die blutigste Schlacht auf niedersächsischen Boden des 16. Jahrhunderts. Mehr als 4000 Menschen, Adlige wie Landsknechte, fanden an diesem Sonntag Nachmittag zwischen Sümpfen und Wäldern in der "Schlachtung für Sievershausen" den Tod. Auch die 'Sieger' dieser Auseinandersetzung, Kurfürst Moritz von Sachsen und Herzog Heinrich d.J. von Braunschweig-Lüneburg, verloren ihr Leben oder hatten erhebliche persönliche Verluste zu beklagen. Diese blutige Schlacht war der Anknüpfungspunkt, an dieser Stelle ein Antikriegshaus zu errichten. 

 

Das DankMal

Das DankMal hat die Form eines Torbogens, der auf dem südlichen Zuweg zum Antikriegshaus durchschritten wird. Der Torbogen wurde von der Künstlerin Margot Garutti entworfen und am 2. September 1989 eingeweiht.
Das DankMal steht als Symbol für den Schutz und die Rettung Verfolgter während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Es will die Erinnerung an diejenigen Menschen wachhalten, die – oft unter Einsatz oder Gefährdung ihres eigenen Lebens – Verfolgten geholfen haben: Versteck gewährt, Unterkunft geboten, eine neue Identität verschafft, zur Flucht verholfen oder Fürsprache für sie eingelegt haben. Viele Menschen, die in dieser Weise Menschlichkeit gelebt haben, sind bekannt; viele werden aber auch für immer ungenannt und unbekannt bleiben. Der Weg durch den Torbogen ist Erinnerung und Dank zugleich. 
Woran das DankMal erinnert - ein Beispiel: Belgien während der deutschen Besetzung im 2. Weltkrieg. Seine von der nationalsozialistischen Judenverfolgung bedrohten Eltern geben den jüdischen Jungen Joseph Bernstein  mit 7 Jahren an eine befreundete adlige Familie, um ihn zu schützen. Diese sieht sich genötigt, ihn in dem Internat des katholischen Priesters Pater Bims unterzubringen, wo er mit etwa 20 anderen jüdischen Jungen die Verfolgungszeit überlebt. Die Rettergestalten in dieser Geschichte sind die Apothekerin Mademoiselle Marcelle, die für die jüdischen Jungen gefälschte Ausweispapiere beschafft; Pater Bims, der die jüdischen Jungen nach außen als katholisch ausgibt, insgeheim den Joseph aber in der Religion seiner Eltern unterweist und in einer unterirdischen Krypta jüdische Kulturgüter und Kultgegenstände aufbewahrt, um die jüdische Religion durch die Shoa hindurch zu erhalten; Rettergestalt am Rande auch ein deutscher Offizier, der bei einer Razzia die Jungen unter der Dusche antrifft und als Juden identifiziert, die Sache aber vor seinen Soldaten verschweigt und nicht weiter verfolgt. Nach Mademoiselle Marcelle wird eine Straße benannt, Pater Bims wird in Israel als „Gerechter unter den Nationen“ geehrt.

 

 
 

Das MauerMahnmal

Das MauerMahnmal besteht aus drei Teilen der Berliner Mauer, die 1991 auf dem Gelände zwischen St. Martinskirche und Antikriegshaus aufgestellt wurden. Die einzelnen Elemente verbinden sich jedoch nicht mehr wie ehedem zu einer geschlossenen Mauer, sondern sind zu einem durchlässigen Kreis gruppiert worden.
Die dreifache Aussage des MauerMahnMals: Sie soll zum einen an das Leid und die Opfer dieser unmenschlichen  Grenze erinnern, die mitten durch eine Stadt, ein Land verlief und zum Symbol der Teilung der Welt in Ost und West in den Jahrzehnten des Kalten Krieges wurde. Und die Familien und Freunde trennte, sie einander entfremdete und in der Logik des Kalten Krieges gar zu Feinden machte. Zum anderen weckt das Mauer Mahn Mal aber auch Hoffnungen auf die friedliche Überwindung von Grenzen, zu deren Symbol der Fall der Mauer 1989 geworden ist.
Die Berliner Mauer wurde in der Nacht vom 12. bis 13. August 1961 von der damaligen Führung der DDR errichtet. Sie teilte Berlin entlang der Sektorengrenzen in zwei Teile und wurde zum sichtbaren Symbol der Teilung Deutschlands und der Welt. Europa zerfiel entlang der Einflusssphären, wie sie am Ende des Zweiten Weltkrieges bestanden, in zwei Teile. Die Mauer in Berlin wurde zu einer Grenze, die weniger den äußeren Feind aussperren, als vielmehr das eigene Volk einsperren sollte. Auf „Republikflüchtlinge“ wurde geschossen, viele kamen bei dem Versuch, die DDR zu verlassen, ums Leben oder mussten diesen mit langjährigen Freiheitsstrafen bezahlen.
Der Fall der Mauer im Jahre 1989 kam vor diesem Hintergrund um so überraschender, begünstigt von der Politik Michail Gorbatschows. Angesichts der rasant anwachsenden Proteste kam es am 9. November 1989 zur symbolträchtigen Grenz- und Maueröffnung und in kurzer Folge auch zur friedlichen Überwindung der über vier Jahrzehnte währenden Phase des Kalten Krieges. Das MauerMahnmal Mal wurde 1991 errichtet. Die drei Teile der Berliner Mauer kamen auf Vermittlung der Versöhnungsgemeinde Bernauer Straße. Anlässlich der Einweihung stellte der Theologe und Religionswissenschaftler Prof. Walter Beltz fest, „dass Friedensdienst der Christen unter keinem anderen Motto stehen kann, als die Mauern zu überwinden, die zwischen Menschen und Völkern und zwischen Bevölkerungsschichten existieren“.
im August 1991 stellte der Theologe und Religionswissenschaftler Prof. Walter Beltz fest, „dass Friedensdienst der Christen unter keinem anderen Motto stehen kann, als die Mauern zu überwinden, die zwischen Menschen und Völkern und zwischen Bevölkerungsschichten existieren“.

 

Das DeserteurDenkmal

Das zentrale Bauelement des Denkmals ist eine Mauer, die genau auf der Grenze zwischen dem ehemaligen Friedhof und dem früheren Pfarrgarten steht. Die Mauer zeigt dem Betrachter zwei gegensätzlich gestaltete Seiten. Die Seite zum ehemaligen Friedhof hin besteht aus einer grauen Betonwand. In die Wand ist ein Paar eiserner Fesseln eingelassen. Der Vorplatz ist gleichfalls betoniert. Die Mauerseite zum Pfarrgarten hin ist dagegen aus rotbraunen Ziegelsteinen errichtet. An einer Stelle ist die Mauer durchbrochen. Der Durchbruch zeigt die Umrisse eines Menschen.
Die Vorderseite des Denkmals erinnert an einen Exekutionsplatz. Sie symbolisiert Kälte, Härte, Gewalt, Zwang und gewaltsames Töten. Die Rückseite versucht, Leben und Wärme auszudrücken. Der Durchbruch von der einen zur anderen Seite ist eng – mühe- und gefahrvoll, nur mit hohem persönlichen Einsatz zu leisten Das Denkmal ist ein Hinweis auf Menschen, die bis in die Gegenwart hinein die Teilnahme an jeder Form des Kriegsgeschehens verweigern und dafür Schmähung, Verfolgung, selbst Tod zu erdulden bereit sind.
Das Deserteur-Denkmal wurde 1997 im Rahmen eines internationalen Workcamps konzipiert und errichtet. Seine Idee ist aus der jahrelangen Friedensarbeit des Vereins Dokumentationsstätte zu Kriegsgeschehen und über Friedensarbeit Sievershausen e.V. hervor gewachsen: Beschäftigung von Zivildienstleistenden; Durchführung von Kursen für Zivildienstleistende im Antikriegshaus; Kontakte zur Vereinigung der Opfer der NS-Militärjustiz, insbesondere zu ihrem Vorsitzenden Ludwig Baumann; Teilnahme an der bundesweiten Diskussion über Deserteure, ihre Rehabilitation und die Errichtung von Denkmälern für sie; Beratung und zeitweise Unterbringung russischer Deserteure aus der ehemaligen DDR zu Beginn der 1990er Jahre. e.V. vergeben. Auf der Lebensseite des Deserteur-Denkmals wurde ein Kirschbaum gepflanzt. Dieser Baum erinnert an einen der prominentesten Deserteure des 2. Weltkriegs: an Alfred Andersch (1914-1980), der 1944 an der Italienfront desertierte und darüber in seinem Buch Die Kirschen der Freiheit (1952) autobiographisch berichtet hat.

   
 

Das UmdenkMal auf dem Schlachtfeld

2003 wurde im Rahmen des Gedenkens zum 450. Jahrestag der Schlacht von Sievershausen auf dem ehemaligen Schlachtfeld, in Sichtweite des Gedenksteines für Kurfürst Moritz, das UmdenkMal eingeweiht. In einem symbolischen Grab wurden von Kindern des Dorfes gesammelte 4000 Feldsteine in Erinnerung an die Toten der Schlacht aufgetürmt. Der Sievershäuser Schmied Falk Laxander schuf in Anlehnung an den Bibelvers "Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und hinfort nicht mehr lernen Krieg zu führen" die Skulptur "Hellebarden zu Rosenstöcken und Weinreben"

 
       
    Fotos © Stefan Heinze  

Friedensarbeit im Antikriegshaus    Aktuell

Sievershäuser Ermutigung 2024 an die Combatants for Peace

Nicht mehr nur durch das Zielfernrohr

Versöhnungsinitiative „Combatants for Peace“ mit Friedenspreis „Sievershäuser Ermutigung“ ausgezeichnet / von Susanna Veenhuis

Lehrte-Sievershausen. Der Krieg zwischen Israel und Palästina macht auch vor dem kleinen Dorf Sievershausen bei Lehrte nicht Halt. Aber anders als im Nahen Osten wird in Sievershausen dem Frieden und der Versöhnung ein Terrain bereitet. Im dortigen Antikriegshaus wurde jetzt die Initiative „Combatants for Peace“ mit dem mit 5000 Euro dotierten Friedenspreis „Sievershäuser Ermutigung“ ausgezeichnet. Die Bewegung hat sich die Versöhnung von Israel und Palästina auf die Fahnen geschrieben.

Das Antikriegshaus Sievershausen und die Stiftung „Frieden ist ein Menschenrecht“ vergeben diesen Preis alle zwei Jahre an Gruppen, Vereine, Organisationen oder auch an Einzelpersonen, die sich in herausragender Weise für von Krisen und Krieg Betroffene einsetzen. Die Wahl der sechsköpfigen Jury fiel diesmal auf die „Combatants for Peace“.

„Combatant“ heißt auf Deutsch Kämpfer. Für die in dieser Initiative engagierten Frauen und Männer aus den beiden verfeindeten Nationen ist es jedoch kein Widerspruch, sich unter dieser Bezeichnung für Frieden einzusetzen, denn früher bekämpften sich die meisten von ihnen als Soldaten tatsächlich gegenseitig. Schon im Kindergarten beginne die Indoktrination mit dem jeweiligen Feindbild, so dass friedliche Begegnungen praktisch nicht möglich sind. Persönliche Erlebnisse und Beispiele brachten und bringen die Menschen in dieser Bewegung zu der Einsicht, dass Gewalt keine Lösung ist. So beschrieben es Iris Gur aus Israel und Sulaiman Khatib aus Palästina von Combatants for Peace. Beide waren auf ganz eigene Weise zu dieser Erkenntnis gekommen, wie sie bei der Entgegennahme des Preises mit sehr persönlichen und emotionalen Einblicken in ihre Lebensgeschichten vor dem gut70-köpfigen Publikum darlegten. „Ich bin Israel und ich bin Palästina! Das trage ich in die Zukunft und auch hierher ins Antikriegshaus“, sagte Gur. Ihr Mitstreiter Sulaiman Khatib kannte von Jugend an nichts anderes als den bewaffneten Kampf, wurde mit 14 Aktivist und sogleich ins Gefängnis gesperrt. Dort befasste er sich in der Theorie weiter mit dem Thema Widerstand und stieß auf beeindruckende Beispiele gewaltlosen Widerstands – wie zum Beispiel auf die Geschichte von Nelson Mandela.

„Es hat eine überwältigende Wirkung, wenn Betroffene den scheinbar unvermeidlichen Kreislauf von Gewalt, Rache und Hass unterbrechen. Es macht Hoffnung, wenn ehemalige Kämpferinnen und Kämpfer verbittert verfeindeter Seiten die Waffen niederlegen, sich die Hand reichen und dadurch die tödlichen Narrative von Terror, Gewalt und Besatzung entlarven“, erklärte der stellvertretende Superintendent des Kirchenkreises Burgdorf, Dr. Tibor Anca.

„Wenn wir die Grausamkeiten in Israel und Palästina aus der Ferne wahrnehmen, können wir nur sagen: Es ist angebracht, von einem Kampf für den Frieden zu sprechen. Mit derselben Energie, Entschlossenheit und Zielstrebigkeit wie für den Krieg soll die Arbeit für den Frieden geführt werden“, sagte Dr. Ralph Charbonnier, theologischer Vizepräsident des Landeskirchenamts. „Die Combatants for Peace setzen sich seit Jahren für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinensern ein, und dies unter schwierigsten Rahmenbedingungen“, begründete Dr. Edelgard Bulmahn die Entscheidung der Jury. „Gerade Ihre Arbeit gibt Hoffnung, dass Menschen unterschiedlicher Kultur, Herkunft, Religion und Interessen friedlich zusammenleben können.“

Auch der Laudator, der Journalist und Nahost-Kenner Dr. Daniel Alexander Schacht, hob die besonderen Umstände hervor, unter denen die Combatants for Peace unter anderem mit gemeinsamen Trauerfeiern und Gedenkveranstaltungen für Menschen aus Palästina und Israel ihre mühselige, oft von Rückschlägen begleitete Versöhnungsarbeit leisten – gegen den Widerstand der Hardliner, gegen festgefügte Vorurteile sogar aus den eigenen Reihen und Familien. „Gegen das nur scheinbar bequeme, auf die Dauer jedoch gefährliche Lagerdenken, das immer weiter in die Sackgasse führt, haben sich die Combatants for Peace entschieden, die andere Seite nicht länger nur durch die Zielfernrohre ihrer Waffen wahrzunehmen, sondern die Waffen niederzulegen. Zu loben ist der Mut zu dieser Entscheidung der Combatants, die Klarheit ihres Blicks auf die Realitäten, die Genauigkeit ihrer Kritik, ihre Zivilcourage und die Ausdauer, mit der sie dieses Engagement allen Widerständen zum Trotz verfolgen. Lassen Sie mich Ihnen dafür danken, dass sie diese Tugenden mit Leben erfüllen! Ich wünsche Ihnen, dass sie den langen Atem dafür haben werden, diese Tugenden bis zu einem guten Ende weiterzutragen!“

Antikriegshaus Sievershausen • Susanna Veenhuis 2024-12-09

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Pazifismus und Friedensethik in Zeiten des Krieges

Pazifismus und Friedensethik in Zeiten des Krieges

oder

Ein Jahr Krieg in der Ukraine

Zum Jahrestag des Angriffs auf die Ukraine laden wir am 24.02.2023 um 18:00 zu einer Nagelkreuzandacht in die Sievershäuser St. Martinskirche ein.
Die Nagelkreuzgemeinschaft setzt sich für Frieden und Versöhnung ein. Sie ist aus den Erfahrungen des zweiten Weltkrieges erwachsen, so galt die Arbeit zunächst der Versöhnung zwischen uns Deutschen und den von Nazideutschland überfallenen Völkern. Die Versöhnung im Nachkriegseuropa war eine der größten politischen und sozialen Veränderungen in der Geschichte. Nun haben wir wieder Krieg, und der Überfall auf die Ukraine markiert eine Zeitenwende. Wird es uns in der Zukunft gelingen, die Wunden, die dieser neue Krieg schlägt, zu heilen?

Im Anschluss an die Nagelkreuzandacht laden wir um 19:00 ins Antikriegshaus ein zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Pazifismus und Friedensethik in Zeiten des Krieges“

Was bleibt vom Pazifismus ein Jahr nach dem Einfall von Putins Armeen in die Ukraine? Was bleibt von der Friedensbewegung, in Zeiten eines blutigen Angriffskriegs gegen militärische wie zivile Ziele? Was bleibt von einer Friedensethik, die fordert, Schwerter zu Pflugscharen zu machen, wenn die Ukrainerinnen und Ukrainer für ihre Gegenwehr unsere Unterstützung, unsere Waffen brauchen?  

In Zeiten schweigender Waffen ist es leicht, Pazifist zu sein, aber kann man in den Zeiten eines Angriffskriegs noch bedingungslosen Gewaltverzicht fordern, oder ist nicht vielmehr die Verteidigung legitim und braucht unsere Unterstützung?  Wie kann eine Friedensethik nach dieser Zeitenwende aussehen? Welche Kompromisse müssen gemacht werden? Zu diesen Themen wollen wir diskutieren.

Zwischen den Veranstaltungen reichen wir einen kleinen Imbiss.

Diese Diskussion muss geführt werden.  

Pazifismus konnte den Ukrainekrieg nicht verhindern. Das alte Ideal im Sinne der UN-Charta ist dennoch nötig, um den Krieg tatsächlich zu beenden.

Pazifismus ist nichts für Weicheier. Wenn es dazu noch eines Beweises bedurft hätte, haben die mittlerweile acht Monate Krieg gegen die Ukraine ihn erbracht. Wer sich skeptisch gegenüber weiteren Waffenlieferungen äußert, die Ansicht verbreitet, dass an Verhandlungen kein Weg vorbeiführe oder gar die Utopie einer Welt nicht aufgeben will, die auch gewaltsame Konflikte am Ende gewaltlos lösen kann, wird von allen Seiten zusammengeschossen. Selbst von ehemals Gleichgesinnten.

Denn auch einst stolz Zivildienstleistende, die den Akt der Kriegsdienstverweigerung wie einen Orden an der Brust tragen, eilen mit fliegenden Fahnen an die Front.

Pazifismus in Zeiten schweigender Waffen ist ein modisches Accessoire, das man sich wie den Button mit der Friedenstaube ans Revers heftet. Wenn es wie jetzt zur Sache geht, verschwindet er bei den meisten schnell in der Kiste mit den anderen Jugendidealen, die man sich abgeschminkt hat. Schlaghose, Palituch, BAP-Platte, Peace-Zeichen. Alles verdammt lang her.

In Kriegszeiten praktizierende Pazifisten hingegen gelten schnell auch mal als Verräter. Wer in der Ukraine selbst aus guten Gründen nicht an die Front will, muss sich verstecken oder fliehen. Wer als Russe nicht auf Ukrai­ne­r:in­nen schießen will, wird bei der Flucht in Nachbarstaaten gar als Sicherheitsrisiko eingestuft. Deserteur gilt in Zeiten des Kriegs oft als Schimpfwort. Anerkennung darf man, wenn überhaupt, erst Jahrzehnte später erwarten. Wie gesagt: Pazifismus ist nichts für Softies.

Keine der reinen Lehren führt zum Frieden, sondern nur der für alle schmerzhafte Kompromiss. Bei den großen Antikriegsdemonstrationen im Frühjahr in Berlin wurden Plakate getragen, die die Friedenstaube auf ukrainischen Nationalflaggen zeigten und eine Flugverbotszone forderten. Also eine Art bewaffneter Pazifismus. Einer, der den Einsatz von Militär nicht ausschließt, dabei aber nie vergisst, dass der nur das Mittel zum Zweck sein darf: dem Erreichen einer Verhandlungslösung.

Für Idea­lis­t:in­nen mag das absurd, ja hart klingen. Aber Pazifismus ist eben nichts für Weicheier.

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Kontoinhaber: Dokumentationsstätte Sievershausen e.V.

 

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Anfahrt

So finden Sie uns: Autobahn A2 Hannover-Berlin AS Hämelerwald/Sievershausen
Busverbindungen 946 bzw. 949 zu den Bahnhöfen des Regionalverkehrs in Hämelerwald, Immensen-Arpke, Lehrte (abends und am Wochenende SPRINTI)

 

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