Pazifismus und Friedensethik in Zeiten des Krieges

Pazifismus und Friedensethik in Zeiten des Krieges

oder

Ein Jahr Krieg in der Ukraine

Zum Jahrestag des Angriffs auf die Ukraine laden wir am 24.02.2023 um 18:00 zu einer Nagelkreuzandacht in die Sievershäuser St. Martinskirche ein.
Die Nagelkreuzgemeinschaft setzt sich für Frieden und Versöhnung ein. Sie ist aus den Erfahrungen des zweiten Weltkrieges erwachsen, so galt die Arbeit zunächst der Versöhnung zwischen uns Deutschen und den von Nazideutschland überfallenen Völkern. Die Versöhnung im Nachkriegseuropa war eine der größten politischen und sozialen Veränderungen in der Geschichte. Nun haben wir wieder Krieg, und der Überfall auf die Ukraine markiert eine Zeitenwende. Wird es uns in der Zukunft gelingen, die Wunden, die dieser neue Krieg schlägt, zu heilen?

Im Anschluss an die Nagelkreuzandacht laden wir um 19:00 ins Antikriegshaus ein zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Pazifismus und Friedensethik in Zeiten des Krieges“

Was bleibt vom Pazifismus ein Jahr nach dem Einfall von Putins Armeen in die Ukraine? Was bleibt von der Friedensbewegung, in Zeiten eines blutigen Angriffskriegs gegen militärische wie zivile Ziele? Was bleibt von einer Friedensethik, die fordert, Schwerter zu Pflugscharen zu machen, wenn die Ukrainerinnen und Ukrainer für ihre Gegenwehr unsere Unterstützung, unsere Waffen brauchen?  

In Zeiten schweigender Waffen ist es leicht, Pazifist zu sein, aber kann man in den Zeiten eines Angriffskriegs noch bedingungslosen Gewaltverzicht fordern, oder ist nicht vielmehr die Verteidigung legitim und braucht unsere Unterstützung?  Wie kann eine Friedensethik nach dieser Zeitenwende aussehen? Welche Kompromisse müssen gemacht werden? Zu diesen Themen wollen wir diskutieren.

Zwischen den Veranstaltungen reichen wir einen kleinen Imbiss.

Diese Diskussion muss geführt werden.  

Pazifismus konnte den Ukrainekrieg nicht verhindern. Das alte Ideal im Sinne der UN-Charta ist dennoch nötig, um den Krieg tatsächlich zu beenden.

Pazifismus ist nichts für Weicheier. Wenn es dazu noch eines Beweises bedurft hätte, haben die mittlerweile acht Monate Krieg gegen die Ukraine ihn erbracht. Wer sich skeptisch gegenüber weiteren Waffenlieferungen äußert, die Ansicht verbreitet, dass an Verhandlungen kein Weg vorbeiführe oder gar die Utopie einer Welt nicht aufgeben will, die auch gewaltsame Konflikte am Ende gewaltlos lösen kann, wird von allen Seiten zusammengeschossen. Selbst von ehemals Gleichgesinnten.

Denn auch einst stolz Zivildienstleistende, die den Akt der Kriegsdienstverweigerung wie einen Orden an der Brust tragen, eilen mit fliegenden Fahnen an die Front.

Pazifismus in Zeiten schweigender Waffen ist ein modisches Accessoire, das man sich wie den Button mit der Friedenstaube ans Revers heftet. Wenn es wie jetzt zur Sache geht, verschwindet er bei den meisten schnell in der Kiste mit den anderen Jugendidealen, die man sich abgeschminkt hat. Schlaghose, Palituch, BAP-Platte, Peace-Zeichen. Alles verdammt lang her.

In Kriegszeiten praktizierende Pazifisten hingegen gelten schnell auch mal als Verräter. Wer in der Ukraine selbst aus guten Gründen nicht an die Front will, muss sich verstecken oder fliehen. Wer als Russe nicht auf Ukrai­ne­r:in­nen schießen will, wird bei der Flucht in Nachbarstaaten gar als Sicherheitsrisiko eingestuft. Deserteur gilt in Zeiten des Kriegs oft als Schimpfwort. Anerkennung darf man, wenn überhaupt, erst Jahrzehnte später erwarten. Wie gesagt: Pazifismus ist nichts für Softies.

Keine der reinen Lehren führt zum Frieden, sondern nur der für alle schmerzhafte Kompromiss. Bei den großen Antikriegsdemonstrationen im Frühjahr in Berlin wurden Plakate getragen, die die Friedenstaube auf ukrainischen Nationalflaggen zeigten und eine Flugverbotszone forderten. Also eine Art bewaffneter Pazifismus. Einer, der den Einsatz von Militär nicht ausschließt, dabei aber nie vergisst, dass der nur das Mittel zum Zweck sein darf: dem Erreichen einer Verhandlungslösung.

Für Idea­lis­t:in­nen mag das absurd, ja hart klingen. Aber Pazifismus ist eben nichts für Weicheier.

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