Zum Thema Rassismus

Zur Verwendung des Rassismus-Begriffes in der Versöhnungslitanei

Gleich werden wir, wie es in jeder Nagelkreuzandacht weltweit geschieht, die Versöhnungslitanei von Coventry beten. Aber an einer Stelle werden wir vom gewohnten Text abweichen. Die erste Bitte des Versöhnungsgebets, ihr seht sie vor euch, soll auf Drängen der Mehrheit der Nagelkreuzzentren in Deutschland geändert werden, auch das Nagelkreuzzentrum Sievershausen hält das für dringend erforderlich. Die Diskussion um diesen Passus hat bewirkt, dass die Nagelkreuzgemeinschaft Deutschland im nächsten Jahr eine Sondermitgliederversammlung durchführt, die sich ausschließlich mit dem einen Tagesordnungspunkt Versöhnungsgebet befasst. Das Versöhnungsgebet von Coventry entstand 1958. Es ist zu dem Gebet geworden, das die welt-
weite Nagelkreuzgemeinschaft geistig miteinander verbindet. So prägend das Versöhnungsgebet für die Nagelkreuzgemeinschaft ist, umso schwerer fällt es vielen in Deutschland, aber nicht nur hier, mittlerweile, die erste Zeile der Litanei mitzusprechen – und dies obwohl es als eine Gebetsbitte für unsere Mitschuld an den vielfältigen Formen von Rassismus verstanden werden könnte.
Bei allen Erwägungen, die seit mehr als zehn Jahren vollzogen werden, wurde deutlich, dass wir in erster Linie vor einer sprachlichen Problematik stehen: Während vielerorts auf der Welt kluge Menschen die Ansicht vertreten, dass Rassismus nur bekämpft werden kann, wenn die zumindest sprachliche Aufteilung von Menschen in Rasse-Kategorien beibehalten wird, sehen wir hier genau diese Konstruktion als die Ursache von Rassismus an. „Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung“, heißt es in der berühmt gewordenen ‚Jenaer Erklärung‘ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft aus dem Jahr 2019. Dort wurde unmissverständlich festgehalten, dass auch aus Sicht der Evolutionsforschung der „Rasse“-Begriff für den Menschen nicht verwendet werden kann – und auch niemals konnte. Es ist offensichtlich, dass speziell im angelsächsischen Sprachraum „Rasse“ eher im sozialwissenschaftlichen Sinn verstanden wird, wo es bei uns schlimmster Biologismus ist. 
Nun plädieren ja Sprach – und - Liturgiewissenschaftler für einen behutsamen Umgang mit geprägten und vertrauten Gebetstexten und für eine spezifische Gebetssprache. Wie wichtig ist ein dem Gebet angemessener Sprachrhythmus? Und die Menschen der Nagelkreuzgemeinschaft stellen sich die Frage: „Wie wichtig ist uns ein einheitlicher Text, der uns weltweit verbindet?“ 
Nicht zuletzt die ‚Black lives matter‘- Bewegung hat uns für die Wirkmächtigkeit von Sprache und die nicht nur strukturelle Gewalt, die mit ihrer Hilfe ausgeübt wird, sensibel gemacht. Gerade in Deutschland, aber nicht nur hier, besteht eine gewachsene Pflicht zum im wahren Sinne sorgfältigen Umgang mit Sprache. Wir erinnern an den Dresdener Philologen Viktor Klemperer, dessen für das Fernsehen verfilmte Geschichte vor etwa 20 Jahren ein Millionenpublikum erreichte. In seinem Werk „LTI – Lingua Tertii Imperii“, (Sprache des ‚Dritten Reiches‘) verdeutlicht Klemperer die Wirkung, die Sprache auf das Ausmaß von Unmenschlichkeit hat. 
Eigentlich wissen wir viel davon - und müssen doch immer wieder neu die Verwendung von Worten reflektieren und uns darüber klar werden, dass Menschen Opfer von Worten werden. Das Unheil, das mit der deutschen Auslegung von „Rasse“ in die Welt kam, ist unbestritten. Darum wollen wir ihn nicht mehr verwenden! Strittig hingegen, ob bei uneingeschränktem Hinterfragen nicht auch andernorts der Begriff zumindest auf den Prüfstand gehört. Dafür brauchen wir möglicherweise einen Prozess auf internationaler Ebene.
Es ist den Mitwirkenden in den Nagelkreuzzentren in Deutschland freigestellt, die Versöhnungslitanei an dieser Stelle in einer abgewandelten Form zu beten. Wir haben uns für eine vorläufige Lösung entschieden, die auch als eine Variante vom Leitungskreis der Nagelkreuzgemeinschaft Deutschland vorgeschlagen wurde: „Den Hass, der Menschen von Menschen trennt“
Diese Variante betont die Absicht der Gebetsbitte und verzichtet auf Näherbestimmungen von Kategorien des Hasses. Das hat den Vorteil, keine Debatte führen zu müssen, ob Begriffe wie Klasse oder Volk Kategorien sind, die heute nicht mehr verwendet werden sollten. Es wird einfach komplett auf Kategorisierungen verzichtet. 
Ein zweiter Vorschlag „Den Hass, der Volk von Volk, Klasse von Klasse, und rassistisch Menschen von Menschen trennt“ ist näher am Duktus des Originals und erhält auch die beabsichtigte heruntergebrochene Kategorisierung, ist aber bei aller verdienstvollen Brandmarkung von Rassismus eine sprachliche Katastrophe, die wir dennoch möglicherweise in Kauf nehmen müssten.

Gleich werden wir, wie es in jeder Nagelkreuzandacht weltweit geschieht, die Versöhnungslitanei von Coventry beten. Aber an einer Stelle werden wir vom gewohnten Text abweichen. Die erste Bitte des Versöhnungsgebets, ihr seht sie vor euch, soll auf Drängen der Mehrheit der Nagelkreuzzentren in Deutschland geändert werden, auch das Nagelkreuzzentrum Sievershausen hält das für dringend erforderlich. Die Diskussion um diesen Passus hat bewirkt, dass die Nagelkreuzgemeinschaft Deutschland im nächsten Jahr eine Sondermitgliederversammlung durchführt, die sich ausschließlich mit dem einen Tagesordnungspunkt Versöhnungsgebet befasst. Das Versöhnungsgebet von Coventry entstand 1958. Es ist zu dem Gebet geworden, das die welt-
weite Nagelkreuzgemeinschaft geistig miteinander verbindet. So prägend das Versöhnungsgebet für die Nagelkreuzgemeinschaft ist, umso schwerer fällt es vielen in Deutschland, aber nicht nur hier, mittlerweile, die erste Zeile der Litanei mitzusprechen – und dies obwohl es als eine Gebetsbitte für unsere Mitschuld an den vielfältigen Formen von Rassismus verstanden werden könnte.

Bei allen Erwägungen, die seit mehr als zehn Jahren vollzogen werden, wurde deutlich, dass wir in erster Linie vor einer sprachlichen Problematik stehen: Während vielerorts auf der Welt kluge Menschen die Ansicht vertreten, dass Rassismus nur bekämpft werden kann, wenn die zumindest sprachliche Aufteilung von Menschen in Rasse-Kategorien beibehalten wird, sehen wir hier genau diese Konstruktion als die Ursache von Rassismus an. „Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung“, heißt es in der berühmt gewordenen ‚Jenaer Erklärung‘ der Deutschen Zoologischen Gesellschaft aus dem Jahr 2019. Dort wurde unmissverständlich festgehalten, dass auch aus Sicht der Evolutionsforschung der „Rasse“-Begriff für den Menschen nicht verwendet werden kann – und auch niemals konnte. Es ist offensichtlich, dass speziell im angelsächsischen Sprachraum „Rasse“ eher im sozialwissenschaftlichen Sinn verstanden wird, wo es bei uns schlimmster Biologismus ist.

Nun plädieren ja Sprach – und - Liturgiewissenschaftler für einen behutsamen Umgang mit geprägten und vertrauten Gebetstexten und für eine spezifische Gebetssprache. Wie wichtig ist ein dem Gebet angemessener Sprachrhythmus? Und die Menschen der Nagelkreuzgemeinschaft stellen sich die Frage: „Wie wichtig ist uns ein einheitlicher Text, der uns weltweit verbindet?“

Nicht zuletzt die ‚Black lives matter‘- Bewegung hat uns für die Wirkmächtigkeit von Sprache und die nicht nur strukturelle Gewalt, die mit ihrer Hilfe ausgeübt wird, sensibel gemacht. Gerade in Deutschland, aber nicht nur hier, besteht eine gewachsene Pflicht zum im wahren Sinne sorgfältigen Umgang mit Sprache. Wir erinnern an den Dresdener Philologen Viktor Klemperer, dessen für das Fernsehen verfilmte Geschichte vor etwa 20 Jahren ein Millionenpublikum erreichte. In seinem Werk „LTI – Lingua Tertii Imperii“, (Sprache des ‚Dritten Reiches‘) verdeutlicht Klemperer die Wirkung, die Sprache auf das Ausmaß von Unmenschlichkeit hat.

Eigentlich wissen wir viel davon - und müssen doch immer wieder neu die Verwendung von Worten reflektieren und uns darüber klar werden, dass Menschen Opfer von Worten werden. Das Unheil, das mit der deutschen Auslegung von „Rasse“ in die Welt kam, ist unbestritten. Darum wollen wir ihn nicht mehr verwenden! Strittig hingegen, ob bei uneingeschränktem Hinterfragen nicht auch andernorts der Begriff zumindest auf den Prüfstand gehört. Dafür brauchen wir möglicherweise einen Prozess auf internationaler Ebene.

Es ist den Mitwirkenden in den Nagelkreuzzentren in Deutschland freigestellt, die Versöhnungslitanei an dieser Stelle in einer abgewandelten Form zu beten. Wir haben uns für eine vorläufige Lösung entschieden, die auch als eine Variante vom Leitungskreis der Nagelkreuzgemeinschaft Deutschland vorgeschlagen wurde: „Den Hass, der Menschen von Menschen trennt“

Diese Variante betont die Absicht der Gebetsbitte und verzichtet auf Näherbestimmungen von Kategorien des Hasses. Das hat den Vorteil, keine Debatte führen zu müssen, ob Begriffe wie Klasse oder Volk Kategorien sind, die heute nicht mehr verwendet werden sollten. Es wird einfach komplett auf Kategorisierungen verzichtet.

Ein zweiter Vorschlag „Den Hass, der Volk von Volk, Klasse von Klasse, und rassistisch Menschen von Menschen trennt“ ist näher am Duktus des Originals und erhält auch die beabsichtigte heruntergebrochene Kategorisierung, ist aber bei aller verdienstvollen Brandmarkung von Rassismus eine sprachliche Katastrophe, die wir dennoch möglicherweise in Kauf nehmen müssten.