Was es bedeutet, sich für Gewaltfreiheit zu entscheiden
Als israelischer Co-Direktor von „Combatants for Peace“ (Kämpfer für den Frieden) werde ich oft gefragt, was es braucht, um vom ehemaligen Kämpfer zum Friedensaktivisten zu werden. Nach acht Jahren bei „Combatants for Peace“ habe ich gelernt, dass es darauf keine einfache Antwort gibt. Jeder Mensch, der sich unserer Bewegung anschließt, bringt seine eigene Geschichte mit – doch alle tragen dasselbe moralische Dilemma in sich.
Für unsere israelischen Mitglieder beginnt dieser Weg oft damit, Überzeugungen zu hinterfragen, mit denen sie ihr ganzes Leben lang aufgewachsen sind. Der Militärdienst wird meist nicht als freie Wahl, sondern als selbstverständlicher Teil des Erwachsenwerdens betrachtet; zudem haben jahrzehntelange Gewalt, Verluste und Angst in der eigenen Gesellschaft die Überzeugung gefestigt, dass militärische Gewalt für die Sicherheit der Menschen unerlässlich sei.
Doch der Militärdienst kann Menschen auch mit einer anderen Realität konfrontieren. Viele unserer Mitglieder haben die verheerenden täglichen Auswirkungen der Besatzung auf palästinensische Gemeinschaften miterlebt. Heute setzen sie sich zudem mit dem unerträglichen menschlichen Leid des Krieges im Gazastreifen auseinander. Diese Realitäten miteinander in Einklang zu bringen, wirft schwierige Fragen auf, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Wie würdigt man die eigene Trauer und erkennt zugleich das Recht eines anderen Volkes auf ein Leben in Freiheit, Würde und Sicherheit an? Wie strebt man nach Sicherheit, ohne das Leid anderer als unvermeidlich hinzunehmen?
Sich diesen Fragen zu stellen, kann alles verändern. Im Laufe der Jahre habe ich erlebt, wie Menschen Freundschaften verloren, von ihrem eigenen Umfeld abgelehnt und als Verräter abgestempelt wurden – nur weil sie sich einen anderen Weg in die Zukunft vorstellen konnten. Dieser Weg kann einsam sein, doch er ist auch ein Akt der Hoffnung und Ausdruck des Glaubens daran, dass sich unsere Gesellschaften von innen heraus wandeln können.
Genau das macht „Combatants for Peace“ so einzigartig.
Unsere Mitglieder werden nicht erst dann zu Friedensaktivisten, wenn die Kämpfe verstummt sind. Sie kehren der israelischen Gesellschaft nicht den Rücken, sondern arbeiten daran, sie von innen heraus zu verändern. Sie sind davon überzeugt, dass echte Sicherheit niemals durch Besatzung, Herrschaft oder endlosen Krieg erreicht werden kann, sondern nur durch die Anerkennung, dass Palästinenser und Israelis gleichermaßen ein Recht auf Freiheit, Würde und Sicherheit haben. Die Zusammenarbeit mit Palästinensern ist keine Abkehr von der eigenen Gemeinschaft, sondern ein Ausdruck der Hoffnung darauf, was diese Gemeinschaft werden kann.
Diesen Sommer hilft Ihre Unterstützung dabei, dass noch mehr Menschen diesen schwierigen Schritt auf die andere Seite wagen können. Es bietet Israelis und Palästinensern die Möglichkeit, das zu hinterfragen, was ihnen von Kindesbeinen an vermittelt wurde; jenen Menschen zu begegnen, vor denen sie sich fürchten sollten; und einen anderen Weg einzuschlagen – nicht erst nach Ende des Konflikts, sondern während er noch andauert.
Sag Nein zur Gewalt – Spende noch heute
In unserem nächsten Newsletter wird meine Kollegin und Freundin Rana Salman, unsere palästinensische Co-Direktorin, schildern, wie sich dieser Weg von der anderen Seite aus darstellt. Ihre Geschichte ist eine andere, und die Realitäten, die sie erlebt hat, unterscheiden sich von meinen. Doch unsere Erfahrungen zeigen, warum „Combatants for Peace“ eine einzigartige Bewegung ist.
Ein Gedanke unseres Mitbegründers Chen Alon ist mir in diesen schwierigen Tagen besonders im Gedächtnis geblieben:
„Mir wurde klar: Indem man dem anderen die Menschlichkeit abspricht, entmenschlicht man auch sich selbst.“
Für mich bringen diese Worte auf den Punkt, was es wirklich bedeutet, vom ehemaligen Kämpfer zum Friedensaktivisten zu werden. Es geht nicht darum, die Seiten zu wechseln. Es geht darum, unsere gemeinsame Menschlichkeit zu erkennen und sich zu weigern, Gewalt als unvermeidlich hinzunehmen.
Danke, dass Sie an uns und an die Kraft der Gewaltfreiheit glauben.
Besuchen Sie unsere Website: https://cfpeace.org/
Zurück zu Aktuell





