Närrische Zeiten einst und heute
Ein Blick in die Kulturgeschichte des Karnevals von Prof. Dr. hc. Gerd Biegel
Der Ortsgeschichtliche Arbeitskreis freut sich sehr, einmal mehr, Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel zu einem seiner kenntnisreichen und zugleich sehr unterhaltsamen Vorträge im Antikriegshaus in Sievershausen begrüßen zu können. Am 1. November um 11.11 Uhr richtet der Leiter des Instituts für Braunschweigische Regionalgeschichte einen kulturgeschichtlichen Blick auf die Frühzeit des Karnevals und trifft damit sicher auf offene Ohren und Herzen – stärker als andernorts in der Region Hannover hat sich die „fünfte Jahreszeit“ zwischen 11. November und Beginn der vorösterlichen Fastenzeit zu einem ausgelassenen Event entwickelt, hier an der östlichen Grenze Hannovers, unter der Ägide der Karnevalsgesellschaft „Sievershausen ohne Sorgen“.
Seit vielen Jahrhunderten feiern Menschen ausgelassen diese Zeit voller Ausgelassenheit und eindeutig zweideutiger Heiterkeit. Karneval, je nach Lage auch Fastnacht genannt, gilt als das älteste kontinuierlich begangene Brauchtum in der Kulturgeschichte großer Teile dieser Welt und ist ein fröhliches Fest für alle über gesellschaftliche Grenzen hinweg geworden. Auch wenn diese Zeit, in der die Herrschenden (zumeist) ungestraft auf die Schippe genommen werden konnten, im von uns bevorzugt verwendeten gregorianischen Kalender keinen offiziellen Eintrag fand, wurde sie doch ein fester Bestandteil im Festkalender und führt in Teilen nicht nur unseres Landes zur temporären Schließung von Behörden und Verwaltungen.
Den fernen und frühen Spuren des Karnevals soll beim Vortrag von Professor Biegel mit Blick auf die eigentlich dunkle Zeit am Anfang des neuen Jahres nachgegangen werden und damit die Geschichte aus einer sonst eher unbekannten Perspektive verfolgt werden. Nicht außer Acht lassen wollen wir eine Anmerkung der Deutschen UNESCO-Kommission: „Nach Notzeiten setzte das Fest Impulse zum Wiederaufbau und Flüchtlinge vermochten durch aktive Mitgestaltung Wurzeln in der neuen Heimat zu schlagen. Die Willkommenskultur des Karnevals wirkt sehr einladend. Migranten finden in ihm einen einfachen Zugang zur regionalen Gemeinschaft. Gemeinsam ‚jeck‘ zu sein und ausgelassen zu feiern, gehört ebenso zum Karnevalsfest wie das ehrenamtliche und soziale Engagement.“





